Philosophie für jeden Tag - Der große Traum vom unhistorischen Dasein

    Lange war es still um mich, doch nun sind alle Hausarbeiten und Prüfungen gemeistert und ich kann mich wieder dem Philosophie Blog widmen. Ich habe mich in meiner Hausarbeit zum Filmseminar im Sommersemester 2014 mit dem Film 'The Great Gatsby' beschäftigt und mit seinem Traum. Dem Traum von einer besseren Zukunft, einem Leben der Superlative und dem Traum, die Vergangenheit zurück zu holen. Gatsby – ein Aufsteiger wie aus dem Bilderbuch – möchte immer noch höher hinaus, noch reicher und mächtiger sein, seine Zukunft gestalten wie er sie sich erträumte. Gleichzeitig versucht er, die Vergangenheit zurück zu holen, er glorifiziert sie. Dadurch verliert er den Blick für den Augenblick, weil er immer nur die Zukunft und die Vergangenheit im Blick hat.

    Nietzsche würde sagen, er lebt historisch. Anders als das Tier, das vergessen kann, bindet den Menschen die Erinnerung an die Historie. Bedingt durch das Erinnern an Vergangenes, können wir die Schönheit des Augenblickes nicht genießen. Wir wollen 'alte Zeiten zurück' und idealisieren die Vergangenheit oder, wir blicken verächtlich auf sie zurück und versuchen sie durch eine glorreiche Zukunft zu überwinden.

    Wer den Film oder das Buch kennt, würde behaupten, Gatsby habe es geschafft, seinen Traum gelebt. Zumindest den Traum von einer besseren Zukunft konnte er verwirklichen – aus dem armen Niemand ist ein Jemand geworden. Nur seine große Liebe Daisy konnte er nicht zurück gewinnen.

    Die Tragik dieses Träumers liegt aber darin, dass Gatbsy eigentlich nicht von der großen Liebe oder von materiellen Dingen träumt. Ich würde meinen, er träumt von Größerem, träumt den Traum den alle Menschen haben – so ist der verwirklichte Traum vom Aufstieg lediglich ein 'schöner Schein', eine Illusion.

    Der 'große Traum', der hinter all diesen Oberflächlichkeiten der Welt um ihn herum steckt, ist der von Geborgenheit, Zufriedenheit, vom Einklang mit sich und der Welt, von Vollkommenheit. Es geht um den Traum vom 'Gnoti Se Auton' – an diesem, ist Gatsby gescheitert. Was er wirklich sucht, ist der vollkommene Moment, den er erleben durfte, als er sich in Daisy Buchanan verliebte – darum möchte er auch die Vergangenheit unbedingt 'wiederholen', er möchte diesen Moment zurück.

    Die Tragik liegt also eben darin, im Scheitern an dem 'wahren' Traum. Der Mensch möchte immer noch mehr Dinge, noch mehr Macht, noch mehr Geld – wir leben in einer Welt der Superlative. Aber all diese oberflächlichen Dinge können uns nicht zufrieden stellen, glücklich machen, weil es die 'falschen' Dinge sind, noch dazu vergängliche, historische Dinge. Doch was macht uns glücklich? Diese Frage ist eigentlich unwichtig, wichtiger ist, das Glück zu genießen, den Moment auszukosten indem wir glücklich sind.

    Das Glück, gleich welcher Art, wird zum Glück, allein durch die Fähigkeit während seiner Dauer unhistorisch zu empfinden – also weder auf die Vergangenheit, noch auf die Zukunft zu blicken.“ (Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben).

    Und so blicken wir ewig traurig auf einen vergangen Moment der Vollkommenheit, der nicht zurück kommen wird. Aber den wir hoffen zu erreichen, wenn wir nur weiter an unserem Glück arbeiten. Doch das Fatale ist, dass wir das wirkliche Glück dabei 'verpassen'. Denn Glück braucht keinen Reichtum, auch keine Macht – es kommt von alleine, es liegt im Zauber des Augenblickes verborgen und wartet darauf, erkannt zur werden. Also: lebt den Moment, lebt unhistorisch!

    All the bright, precious things fade so fast. And they don't come back.“

    (Daisy Buchannan)

     

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